Samburu National Reserve – Teil 2

Am Ende des ersten Tages unseres Besuches im Samburu National Reserve in Kenia waren Pauli sein Frau und ich schon beseelt von dem, was wir erleben durften. Insofern waren wir ziemlich bescheiden in unseren Erwartungen für Tag zwei, hatten wir doch schon so eindrückliche Erlebnisse genießen dürfen, die – nach Aussage unserer Guides Isaiah und Joseph – nicht selbstverständlich waren.

Im Reservat gibt es morgens und nachmittags Zeitfenster, innerhalb derer es erlaubt ist, auf Safari zu gehen. Ich fasse unsere zwei Touren an Tag zwei in diesem Blogbeitrag mal zusammen, wenngleich es ein langer Beitrag ist. Er ist unterteilt in vier Geschichtchen:

  1. Geländegang
  2. Giraffenscharmützel
  3. Elefantenbegegnungen
  4. Suche nach dem König

Stichwort: „Geländegang“. Man fragt sich ja, wie man sich das vorstellen muss, so durch´s Gelände zu fahren. Gut, Straßen gibt es ja keine, nur durch Fahrzeuge verfestigte Wege, auf denen Routen durch das Gebiet vorgezeichnet sind.

Tempo kann man da nicht machen. Man fährt Schritttempo, oder auch mal 20 Km/h. Mehr geht da nicht, will man Mensch und Material nicht einem recht wüsten und zerstörerischen Trip aussetzen. Um einen Eindruck zu bekommen, habe ich das mal im Film festgehalten:


So ging datt. Stundenlang. Und Pauli sein Frau und ich lugten oben aus dem Dach, immer auf der Suche nach dem Wildlife. Wobei man nicht lange suchen musste, schließlich waren wir ja mittendrin. Und selbst wenn es nur Gegend zu gucken gab, hatte auch das immer etwas ganz besonderes. Vor allem am frühen Morgen, wenn das Sönnchen so langsam aufstieg und die Tierwelt sich den Knies aus den Augen rieb. (Für eine größere Ansicht auf ein Foto klicken.)

Neben allerlei bekannten oder weniger bekannten Exemplaren ließ die erste größere Population an Tieren dann auch nicht lange auf sich warten. Es war eine größere Ansammlung von Giraffen, die plötzlich und unerwartet direkt vor und neben uns an Sträuchern und Bäumen zupften und zerrten. Wir waren ja mittlerweile geübt darin, einfach in Starre zu verharren. Auto aus und gucken. Nix quatschen, nur gucken. Und Fotos machen.

Während alles ganz friedlich vor sich her frühstückte und sich niemand einen deut um uns scherte, kabbelten sich zwei Jungs. Ich dachte zuerst, das wären Balzrituale die da vonstatten gingen. Aber nein, Isaiah klärte uns auf, dass es sich um zwei Jungens handelten, die mal eben ihre Kräfte messen würden.

Das sah schon beeindruckend aus, wie die ohnehin fast in Zeitlupe agierend wirkenden Tiere da so miteinander im körperlichen Austausch waren. Im gemeinsamen Tête-à-Tête sah das Giraffenscharmützel dann doch noch einmal „witzig“ aus. Oder…?

Elefantenbegegnungen: immer und immer wieder trafen wir auf Elefanten. Wir sahen sie einzeln, in Grüppchen a´ zwei oder drei und an diesem Tag dann in mehreren größeren Gruppen. Auch diese Wiederholungen von „schon oft gesehen“ waren nie langweilig. Es sind schlicht tolle Tiere, großartig anzuschauen. Es bleibt mir immer ein Rätsel, wieso man in Gegenwart dieser friedlichen und sozialen Tiere den Respekt vor ihnen verlieren und sie abschlachten kann.

Die erste Gruppe auf die wir trafen, kreuzte geradewegs unseren Weg und marschierte Richtung Fluss. Nach einem kräftigen Schluck aus demselben ging ein Teil seines Weges durch den Busch. Ein paar andere blieben noch etwas „bei uns“. Mitten im Fluss war eine trockene Erhebung. Darauf lag ein Krokodil. Regungslos.

Wir trauten unseren Augen nicht, als sich dann ein junger Elefant verabschiedete und in den Fluß stieg, um auf die andere Seite zu kommen. Warum die Aktion, blieb uns verborgen. Schließlich war der Rest der Truppe ja diesseits geblieben und weiter gezogen. Der Jung machte sich also auf den Weg Richtung Kroko, was bei uns zu temporären Sauerstoffmangel führte. Wie sollte das jetzt wohl ausgehen?

Juut jejangen. Schweißperlen abgetupft. Weiter ging´s. Nicht sooo viel weiter. Nur ein paar Kilometerchen den Fluß entlang. Und da standen wieder ein paar grasende Elefanten in der Gegend rum. Friedlich. Mit dem Rüssel das hohe Gras zu Büscheln drehend und dann rupfend und schlussendlich genüsslich einverleibend. Und wir daneben. Schweigend. Glotzend. Zeit verstrich ohne Verschwendung. Dabei sein war alles in diesem Moment. Und es kamen von rechts, von links und von vorne immer mehr Dickhäuter schmatzend dazu.  Am Ende waren wohl so um die 14 große und kleine Rüssel um uns herum. So war das:

In bewegten Bildern sah das soh aus:

Am Nachmittag die zweite Tour des Tages durch das Gelände. An dieser Stelle möchte ich mal ein großes Lob an unsere beiden Fahrer und Guides los werden: Isaiah Kagiri Ndungu und Joseph Kamau Githinji. Isaiah hatte ich nach unserer Aderbare Tour ja schon „Mr. Eagle Eye“ getauft, da er Tiere in freier Wildbahn entdeckt, die ich nur unter Zuhilfenahme meines Teles an der Kamera eindeutig identifizieren konnte.

(v.r.n.l.) Isaiah Kagiri Ndungu und Joseph Kamau Githinji

Beide arbeiten für Petra und haben uns bei allen Touren sicher und mit viel Fachwissen durch die Parks und Reservate gefahren. Das wir die beschriebenen tierischen Erlebnisse so genießen konnten, haben wir vor allem diesen beiden zu verdanken! Daher auch auf diesem Wege noch einmal: herzlichen Dank!

Von „dem Highlight“ zu schreiben, verbietet sich angesichts der Fülle an Eindrücken, die wir erleben durften.

Und doch gab es noch eine Begegnung der besonderen Art. Und die hatte eben auch mit „unseren“ beiden Jungens zu tun, die unermüdlich auf der Suche nach dem König waren. Immer auch im Austausch mit anderen Fahrern, die ebenfalls für ihre Kundschaft auf die Pirsch gingen, um einmal einen leibhaftigen Löwen in freier Wildbahn zu sehen.

So gab es mitunter schon auch bizarre Szenen im Busch, wenn es Gerüchte über die Sichtung des Katers gab und alles auf vier oder mehr Rädern sich auf den Weg machten. Denn man muss zugeben, auch wenn sich das im großen Gebiet verläuft, wir waren nicht die einzigen unterwegs. Und so kam es, dass wie aus dem Nichts  fast 20 Automobile wie an der Perlenschnur aufgereiht zusammen standen. Warum? Weil da hinten ein Löwen sein sollte.

Einen Fehlalarm hatte es schon ein Stündchen zuvor gegeben, wo alle gebannt auf einen Strauch schauten, aber nix zu sehen war. Diesmal war man sich sicher: da hinten isser!

Da liegt er. Oder…?

Joh, äh, also, so mit Tele kann man was erkennen. Mutmaßlich.

Aber es bewegte sich nix. Die Minuten verstrichen und nix war zu sehen. Mittlerweile dämmerte es allerorten. Den einen, dass das wohl nix mehr gibt mit einer besseren Ansicht. Und die Sonne ging auch noch unter. Mit dem Verlust von Geduld fuhr ein Fahrzeuge nach dem anderen weg. Am Ende harrten mit uns noch ganze zwei andere Fahrzeuge aus in der Hoffnung, dass da nicht Kadaver liegt und sich doch noch was tut.

Und tatsächlich: es tat sich was! Die Katze lebt!

Wie schon tags vorher am Flußbett mit den Mädels, so hatten wir hier ein männliches Exemplar von ausgeprägter Müdigkeit vor uns. Zuerst noch etwas weiter weg. Aber immerhin deutlich für alle sichtbar. Der Herr König gähnte und streckte und leckte so vor sich hin, dass es eine wahre Freude war. Wir hatten mithin auch einen Löwen gesehen! Was für ein Gefühl!

Aber es kam noch besser! Das imposante Tier stand sogar auf und wechselte den Ort der Ruhe. Und unsere Guides fuhren näher heran. Am Ende waren es vielleicht maximal 30 Meter zwischen Tier und Touristen, die sich minutenlang in Ehrfurcht erstarrt gegenseitig zur Kenntnis nahmen. Was für ein zweiter Tag im Samburu National Reserve! Einfach G R A N D I O S !

Kenia 2019 – Eine Reise mit Folgen: Jambo Kenya / David Sheldrick Wildlife Trust / Sandai – African Footprints / Aberdare National Park / Solio Game Reserve / CAFF – Aufforstung für die Zukunft / Samburu National Reserve – Teil 1 / Pajoma Machukia Childrens Home

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