verhüllt und zugenäht

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„Juli 95-15“ steht auf der Rückseite der wenigen Fotos, die von einem der besonderen Roadtrips die Pauli sein Frau und ich unternommen haben, noch übrig sind. Fast auf den Monat genau 25 Jahre ist es her, dass uns die Aktion „Reichstagsverhüllung“ von Jeanne-Claude und Christo in den Bann zog.

Das, was im Fernsehen schon seit Wochen in seiner Entstehung zu sehen war, wollten wir unbedingt vor Ort sehen. Doch Berlin schien watt weit weg von Würselen. Unser Budget damals war klein, da Pauli sein Frau ihr Mann in den letzten Zügen des Studiums lag. Billigdirektflüge von RyanAir gab es noch nicht und die Zugfahrt war auch nicht gerade preiswert.

Also sprangen wir kurz nach 03:04 Uhr in der Nacht in unseren kleinen weißen Opel Corsa und gaben Gummi. Schon gegen 09:31 Uhr erreichten wir Berlin Kladow und parkten beim damaligen Sitz des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED), den wir ja bestens kannten. Von dort ging es mit Bus und U-Bahn direkt ins Herzchen des Städtchens. Knapp ein Stündchen später waren wir am Ziel. Nach wenigen Metern bereits lugte der Reichstag nebst Verpackung zwischen den Häuserzeilen hervor. Welch ein Anblick!

Das war so surreal – unglaublich. Im wahrsten Sinne des Wortes. Je näher wir an der Ort des Geschehens kamen, um so voller wurde es. Wir waren offensichtlich nicht die einzigen, die an jenem Samstag den Weg an die Kunststätte fanden. Und das Objekt der Begierde mehrmals umrundeten. Ein dolles Ding, das!

Ich war damals noch nicht so fototechnisch ausgerüstet und penetrant. Heutzutage würde ich wahrscheinlich tausend Fotos schießen.

Aber die wenigen, die Pauli sein Frau in irgendeinem Karton gerade gefunden hat, reichen aus, die Erinnerungen an den Eintagesausflug von vor einem viertel Jahrhundert wieder hervor zu bringen.

Nach mehreren Stunden Aufenthalt und einer kräftigen Stärkung in einem netten Lokal in Kladow, ging es im späten Nachmittag wieder gen´ Würselen. Im kleinen Corsa. Um Mitternacht waren wir wieder daheim. Hört sich bekloppt an. Aber: wir waren dabei, es hat riesig Spaß gemacht und es bleibt eine herausragende Erinnerung an eine fantastische Kunstaktion!

Christo Vladimirov Javacheff, kurz „Christo“, ist am 31. Mai 2020 in New York City gestorben.

Ein toller Künstler! Danke für Kunst!

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