Bims BamS Bums anno 1970

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So jeht datt, wenn man den elterlichen Speicher aufräumt und auf seine alte Märklin Eisenbahn stößt. Denn was findet man da noch? Rrrrrichtig: 50 Jahre altes Zeitungspapier! Überraschender Weise in Teilen noch richtig gut erhalten, abgesehen von den Fetzen, mit denen die H0 Schienen und Schienenfahrzeuge eingepackt sind.

Beim gefundenen Exemplar handelt es sich um die Bild am Sonntag (BamS) mit Ausgabe vom 19. April 1970. Dem Jahr, in dem meine Schulkarriere ihren zwar bunten und kreativen, aber vom reinen numerischen Ergebnis her betrachtet am Ende doch recht ernüchternden Beginn nehmen. Kein Wunder mag man meinen, wenn man schon in so jungen Jahren diese bildreiche Form von Alltagslyrik zur Fortbildung bevorzugen zu scheint. Doch Obacht: zu dem Zeitpunkt konnte ich noch nicht lesen, sondern nur Bilder gucken. Insofern blieben mir die journalistischen Höchstleistung jener Zeit verborgen.

Zu lesen sind Überschriften wie „Sein Wahlspruch: Alles mit Liebe…“, oder „Wer Miete zahlt, ist immer noch wehrlos“ verleiten auch heute, mehr als 50 Jahre später noch zur Neugier, wie es wohl weiter geht in dem Artikel. Gibt es inhaltlich Parallelen zu heute? Letzterer Artikel ist übrigens gekoppelt mit der Leistungsrezeptur „Titus“ für den erschlaffenden Mann am Mann.

Wo wir gerade beim Thema sind… Natürlich gab es in der BamS auch Lebenshilfe: „Vergewaltigt – Erzählen Sie Witze – das lenkt den Unhold ab“. Ein Beitrag über Unersättlichkeit, Panische Angst, Ausreden und Vorspiel. Gepaart mit der Werbung von Moltofill mit der Überschrift „Wenn meine Wände reden könnten…“.

Ein paar Seiten weiter die Geschichte von Reinhild aus Berlin, die nackt und kokett auf dem Bett in die Linse schaut: „Porno statt Kindergarten“ ihre lesenswerte Geschichte. Vielleicht ist auch diese heute noch eine inspirierende und gleichsam lukrative berufliche Alternative für die moderne und offene Kindergärtnerin von heute. Schließlich sind die kleinen Racker und ihre herausfordernde Erziehungsberechtigten sicher nicht einfacher geworden in den letzten Jahrzehnten.

Und gleich daneben, ebenfalls ganzseitig, eine passende Werbung für den Mann jener Zeit über den neuen NSU 1200: „Männerauto mit Familien-Komfort“. Sehr selten geworden, so ein KFZ in freier Wildbahn zu finden.

Apropos Werbung: GROSSARTIG! Eine wahre „Erdnuss Ekstase“ verspricht beispielsweise Snickers. Nun weiß ich auch endlich, warum ich mit zunehmendem Alter immer noch so einen Heißhunger auf Snickers habe. Jedenfalls heute immer zweimal mehr, als früher.

Und neben dem NSU gab es noch eine VW Käfer und Opel Kadett Werbung –  DIE Ikonen des deutschen Automobilbaus!  Es wirbt Esso mit einer Briefmarkensammelalbum und der junge Kaiser Franz Beckenbauer in einem Aral-Aufruf für Schlachtenbummler der Nation, zur Fußball WM nach Mexico zu kommen. Es gibt „Knaddel-Daddel Äppelwoi“, der wo lustig macht, aber – Obacht! – nicht dick! Auch hervorragend: „Man hört´s: Das ist Jückemöller mit dem Stein (in der Flasche). Echter Steinhäger aus Steinhagen“. Gibbet datt noch?

Auch die Kulturszene bekommt ihren Platz mit keinen Geringerem wie Westernheld John Wayne („Kino ist heute ein Bordell“) sowie der israelischen Sängerin und Aktrice Daliah Lavi. Die „Daliah zigeunert rum“ und sorgt mit ihrer Garderobe im „Gipsy- oder Zigeunerstil“ für Exotik und Erotik gleichermaßen. Und beim Herrenleser für verruchte Bilder im Kopp. Würde man aber heute so nicht mehr formulieren, denke ich. Obwohl, bei der BamS….?

Selbstredend, dass es auch eine Witzeseite im Cartoon-Stil gab: „Na denn viel Spaß!“. Gleich eine Seite weiter (wir wollen uns jetzt wieder einkriegen) ein Bericht vom verbitterten Charles de Gaulle: „Aufrecht geht er seinen Weg zu Ende“. Man wird bei der BamS aber auch immer emotional sowatt von hin und her geworfen. Gott sein Dank geht es literarisch gleich weiter in die andere, positiveren Richtung, schließlich gibt es ja noch die „Herzenswünsche“! *hach* Da fand sicher jede_r wen er brauchte.

Joh, und wem das alles zuviel ist, für den gibt es Alka-Seltzer. Das Sprudelt das Unbehagen fort verspricht die Anzeige, mit der anregenden Aussage von Mutti mit Katze und Katzenaugen: „Mein Mann (plumps) ist abends ziemlich abgespannt (plumps)“. Na dann…

Doof nur, dass ich auf Anhieb nur die Seiten 15 bis 62 vorfand. Eine andere Zeitung war die „Welt am Sonntag“, Ausgabe Nr. 30 vom 29. Juli 1979 zum Preis von 1,80 DM. Das Exemplar ist aber zum großen Teil mittig geteilt, weil seit just seit diesem Datum die Märklin Sachen drin verpackt sind. Die WaS bekommt man dann beim Kauf meiner H0-Märklin Eisenbahn gratis dazu!

Aber das mit der Eisenbahn ist eine andere Geschichte im nächsten Blog Beitrag. Bitte folgen. Unbedingt!

(Hinweis: Um der die das Bild im Original anschauen um den ganzen lyrischen Erguß zu konsumieren, klickt man zunächst auf die Galerie und nachfolgend beim ausgesuchten Bild auf „Kommentar“. Dann öffne sich ein kleines Menü, von wo aus man die Originalgröße aufrufen kann. Einen Kommentar muss man nicht verfassen. Wäre aber ggf. lustig… 🙂 )

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