Massig ungesättigter Kohlenwasserstoff

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Urlaub gehabt. Und wie datt so jeht, habe ich mir vorher massig Renovierungs- und Aufräumarbeiten als Hausaufgabe aufgegeben. Wollte die Zeit für längst überfällige Korrekturen an Haus und Fahrzeugen sinnvoll nutzen. Und wie der Teufel es will, habe ich alles wie der Teufel flott und zügig abgearbeitet bekommen. Selbst die kniffligsten Arbeiten gingen fluffig und geräuschlos vonstatten. Zwei Wochen avisiert für das Ganze, 5 Tage gebraucht. Mit Päuschen. Und morgendlichem ausschlafen – was Not tat.

Joh, danach mal meine (auch Dank Thomas´s Dreingabe) anschwillende Vinylsammlung akustisch abgearbeitet. Was ebenso überfällig war. Denn Musik genieße ich ja eher gezielt als nur so nebenbei. Tagtäglich permanente Geräuschquellen um mich herum ertrage ich nicht. Insbesondere auch das Gedudel im Radio ist für mich ja ausgeprägt nervtötend. Entweder da quietsch was weiblich gelesenes vor sich her (wobei mir vorkommt, heutzutage quietschen die alle auch noch irgendwie gleich rum). Oder es heult in deutsch ein Knabe rum und am liebsten um Mitleid oder Mutti.

Und ich frage mich dann immer: hey Leut*innen, wo bleibt die Musik?

Zugegeben, am Ende ist das alles Geschmacksache. Und was ich so höre, muss a auch nicht jedem Gefallen. Obwohl…

Jedenfalls – um zum Punkt diese Beitrages zu kommen – der zügige Abschluss meiner selbst auferlegten häuslichen Instandsetzungsarbeiten haben statt zu drohender Langeweile dann doch zu einem vinylen Mußeverfall geführt. Die Beschäftigung mit der heimischen Plattensammlung sowie die themenbezogene Recherche im weltweiten Netz führten plötzlich und unerwartet zu weiteren Zukäufen. Wollte ich eigentlich gar nicht. Aber ist dann einfach passiert.

Foto: Plattenbau / Aachen
Foto: Plattenbau / Aachen

Pauli sein Frau in Aachen abgeholt und – weil gerade in der Nähe und auf Urlaub – mal in den Plattenbau um die Ecke gegangen. Wollte ich immer mal hin.

Ich hatte schon mal vorab watt online geschaut, was denn da alles so in der Auslage zu finden ist, was mein Herzelein erfreut. Und selbiges tatsächlich auch gleich gefunden. Und noch viel mehr.

Da aber just an diesem Tag nach der ersten Auswahl von Platten mein Bargeld zur Neige ging – Karte nimmt man dort nicht – endete der Besuch vorzeitig. Ich komme wieder, drohte ich dem Herrn an der Kasse schon mal an. So nach dem Motto „ab jetzt hier besser nix mehr verkaufen“…

Der Ertrag des Tages: BirthcontrolHoodoo Man, KraanLive, EkseptionBest of .

Während ich daheim sodann den alten Neuerwerbungen aufmerksam vor mich hin lauschte, in laut, schweifte mein Blick gedankenverloren durch die Facebookwelt der „Vinyl Fans“. Dort werden Platten nebst Cover regelmäßig von der Gemeinde gepostet. Nicht selten erinnern die Poster mich längst vergessen geglaubte Scheiben. Was wiederum zu weiteren Käufen führt.

Das dann zum Beispiel auf Discogs. Einer Online Plattform, auf der ich nicht nur dolle Schätzchen (wieder) gefunden habe, sondern mit deren Hilfe ich auch meine Sammlung mittlerweile archivieren konnte. Was hilft, wenn man wie ich ständig und unaufhörlich älter wird und der Verlust von Überblick über „haben oder nicht haben“ droht. Wobei, so viele Langspielplatten habe ich nun auch wieder nicht; aktuell sind 602 archiviert und ca. 127 noch nicht eingetragen.

Also, ich höre gerade „Gamma Ray“ von Birthcontrol, da fällt mein Blick auf ein Cover von „Deep Purple – Live in Aachen“. Live in Aachen??? Ja: LIVE IN AACHEN!

1970 trug es sich zu, dass es im Reitstadion in der Aachener Soers, ein Open-Air Pop Festival stattfand. Und dort traten unter anderem auch Deep Purple auf! Neben einigen anderen Hochkarätern.

Ich wußte schon davon. Allerdingens nicht, dass es davon tatsächlich auch Aufnahmen gab. Angefixt wie Hulle suchte ich im weltweiten Netz eine ganze Weile rum, ob derlei zu erwerben sei. Bei Discogs wurde ich nicht fündig; dort waren aber 42 andere Vinylisten wohl auch auf der gleichen Suche.

Bei todocoleccion in Spanien wurde ich letztendlich fündig.

Auch wenn es jemandem nun spanisch vorkommt, dort eine Platte zu bestellen auf die Gefahr hin, dass vielleicht die nie oder in einzelnen Rillenteilen in Bardenberg ankommen täte, tat sie es doch gut verpackt und völlig unbeschadet.

Die Tage gingen dahin. Und ich will jetzt nicht wieder von drohender Langeweile schreiben. Aber während ich auf die bestellte Ware wartete, schaute ich noch mal auf meine Merkliste bei JPC nach, ob sich da die Preise meiner avisierten Wünsche nach unten bewegt haben wollten.

Wollten sie. Flugs drückte ich die Warenkorbtaste und erwarb von Tangerine Dream die nach dem Tod von Edgar Froese von des Gatten Ehefrau zusammengestellte Platte „Out Of This World“ in orangenen Antlitz.

Und weil die auch noch arsch günstig daher kam gleich noch „Spektrum“ von Volker Kriegel.

Die beiden Scheiben kamen ziemlich fluchst. Während ich schon mehr als zwei Wochen auf die Dreifachplatte von e.s.t. „live in gothenburg“ in rotem Vinyl gewartet hatte. Die dann nur einen Tag später eintraf.

Und so neigte sich der Urlaub dem Ende zu. Mit 6 neuen, zum Teil alten musikalischen Schätzchen.

Gut, dass in Bälde die reguläre Schicht wieder los geht. Sonst nimmt das kein Ende mit dem Erwerb von weiteren ungesättigten Kohlenwasserstoff Tonträgern.

Obwohl, der Mann vom Plattenbau wartet sicher schon auf mich…

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