Georgien – Tiflis (Tbilisi)

Allen kenianischen Eindrücken und Geschichtchen zum Trotz: wir haben 2019 auch eine weitere spannende Kurzreise unternommen, auf die wir uns im Vorfeld ebenso ausgeprägt gefreut hatten: Tiflis!

Seit 2013 sind wir Teil einer kleinen, multinationalen Reisegruppe aus Aachen, die Jahr für Jahr jeweils um Fronleichnam ausgesuchte Städte besucht. Multinational deshalb, weil die Gruppe viele Nationalitäten vereint: Armenien, Griechenland, Lettland, Moldawien, Polen, Russland, Türkei und, ja, sogar Deutschland!  Dieser Vielfältigkeit ist es geschuldet, dass die Reiseziele für kurze Städtetouren eben mitunter auch in diese Länder führt. So durften Pauli sein Frau und ich schon dabei sein in Riga, St. Petersburg, Istanbul, Athen und zuletzt Krakau.

Nun also Georgiens Hauptstadt. Ein eklatanter Vorteil ist es, wenn es in der Reisegruppe Menschen gibt, die die dortige Sprache beherrschen. Beim Essen in Restaurants ein unglaublicher „Heimvorteil“. Wo wir schon beim ersten herausragenden Teil des „Ländertrips“ sind: dem Essen. „Die georgische Küche ist eine der ältesten und abwechslungsreichsten Küchen der Welt. Heute gilt sie als touristische Attraktion. Sie kennt eine Vielzahl von Gerichten und ist die abwechslungsreichste im Kaukasus, zu der die klimatisch bedingte Vielfalt landwirtschaftlicher Erzeugnisse beiträgt.“ (Quelle: Wikipedia)

Gut, dass es Städtereisen gibt und man derlei Vorabinformationen vor Ort überprüfen kann. Und es stimmt! Die Küche ist abwechslungsreich, frisch und gehaltvoll. Das trifft für traditionelle Kleinspeisen wie  Chinkali (Teigtaschen mit Hackfleischfüllung), oder Chatschapuri (gebackenes Käsebrot mit Spiegelei) zu, wie für alle anderen vorzüglichen Gerichte, die wir uns ausladend einverleiben konnten.

Unglaublich: Tomaten werden oft gereicht, so rot und fleischig dick, schmecken tatsächlich nach Tomaten! Richtige Tomaten!

Oder Tschurtschchela: Süßkram den es fast an jeder Ecke zu kaufen gibt. Dabei werden Haselnuss- oder Walnusskerne auf eine Leine gebunden, in Traubensaft getaucht und mit Mais- und Weizenmehl angedickt, bis sich eine dünne Schicht über die Nüsse gelegt hat.

Neben dem Essen ist auch der Weinbau ein herausragendes Thema. Wer weiß schon, dass Georgien auf eine 7.000 Jahre alte Weintradition zurückblicken kann und deshalb als  eines der Ursprungsländer des Weinbaus gilt? Ich wusste es nicht und habe das mal überprüft. Also mehrmals eigentlich. Unter anderem auch bei einer ausgedehnten Weinprobe auf dem Land. Dazu später ein weitere Blogbeitrag.

Parlamentsgebäude am Tag nach den Ausschreitungen.

Die Geschichte Georgiens ist sehr wechselhaft – bis heute zu. Den aktuellen angespannten Beziehungsstatus mit Russland haben wir vor Ort erleben dürfen. Wobei, obwohl Luftlinie ca. 1 Kilometer entfernt, haben wir die Ausschreitungen um das Parlamentsgebäude überhaupt nicht mitbekommen. Erst Alex in Deutschland fragte (besorgt?) nach, ob es an mir läge, dass in Tiflis fast ein Bürgerkrieg ausbricht, wie deutsche Medien berichten. In Wahrheit hatte eine andere Reisegruppe für Proteste gesorgt. Ein russischer Abgeordneter hatte im Parlament für einen Eklat gesorgt, der sich auf der Straße ziemlich schnell in Wut und Gewalt entladen just vor dem Parlamentsgebäude hatte. Weder am besagten Abend, noch am nächsten Morgen oder den Folgetagen haben wir in irgendeiner Form etwas mitbekommen. Und das lag nicht am Wein.

Georgien war durch seine Lage im Kaukasus immer schon geostrategisch wichtig, führten doch seit der Antike wichtige Handelsrouten durch das Land. Viele Handel treibende Völker und mit ihnen Eroberer und Fremdherrscher haben ihre Spuren hinterlassen. Bis heute zu verbindet das Christentum die Einwohner.

Tinatin Ghvinianidze

Nun, ich will hier keinen Geschichtsunterricht vertexten. Vielmehr möchte ich ein paar Eindrücke wiedergeben. Am besten gelingt mir das mit Fotos. Das sind dann auch direkt schon wieder so viele geworden, dass ich die nicht alle zeigen kann. In den Zeiten, wo wir uns nicht dem Essen und Trinken hingegeben haben, sind wir im ersten Teil unserer Kurzreise durch Tiflis marschiert. Wie immer mit einer kompetenten Stadtführerin. Einmal mehr hatten wir mit Tinatin Ghvinianidze großes Glück dabei eine so herzerfrischende, geduldige und liebe Ureinwohnerin an unserer Seite zu haben, die uns (fast) alles in ihrer Stadt gezeigt hat, was in der Kürze der Zeit möglich war.

Tiflis fand ich beeindruckend. Und vielseitig. Hier die Altstadt mit dem Bäderviertel, an anderer Stelle alte Häuserreihen, die zum Abbruch vorbereitet wurden. Dort neue Hotels, große Geschäfts- und Bankgebäude, zum Teil in alten Fassaden. Kirchen und Kathedralen und übergroße Gedenkmonumente gibt es zu bewundern und in den Außenbezirken ganze Wohnblocksiedlungen sowjetischer Prägung.

Was mich als Knipser in Städten immer anspricht ist die Mischung aus altem und neuem, alte Fassaden auf der einen Seite und moderne an anderer. Ich lese immer Geschichten in alten Fassaden. Das fasziniert mich. Ich liebe den eher morbiden Charme, wie eben auch in Portugal. Und just diesen Charme fand ich auch in Tiflis wieder. Ein Rundgang (auf ein Foto klicken um eine größere Ansicht zu erhalten):

Übrigens, Tiflis bei Nacht versprüht auch noch einmal einen ganz besonderen Reiz…

Damit nicht genug! Von Tiflis aus sind wir an zwei Tagen auch auf das Land gefahren. Dazu später mehr. Fortsetzung folgt. Muss erst noch Fotos sortieren… 😉

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Haellavender sagt:

    Wenn ich deine Bilder sehe, bin ich froh bald wieder in Tbilisi zu sein. Ich vermisse es bald schon! 😄

    1. Ralf Pauli sagt:

      Wir hatten echt eine tolle Zeit dort. Leider viel zu kurz – wie eigentlich immer bei unseren Städtereisen. Ich werde übrigens noch einen Beitrag zu unseren Ausflügen im Land schreiben. Mit vielen Fotos… 😉

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