Rrrrrruuuhig bleiben

am

Da war er wieder, der gut gemeinte Hinweis von Pauli sein Frau, ich möge es als tägliche Prüfung verstehen, mich in Geduld zu üben. Denn wieder einmal schleicht gerade vor mir ein*e Fahrzeugführer*in ihr Gefährt in traumwandlerischer Unsicherheit gefühlt mehr rückwärts, als den äußeren Umständen adäquat angepasst vorwärts.

Zugegeben, es gibt viele Raser*innen in dieser Zeit, die eine Gefahr für Leib und Leben anderer darstellen. Nicht selten sind es Testosteron gestörte Pubertätspickel im Balzverhalten, die mit viel zu kraftvollen Fuhrwerken Gefährtinnen für ein Liebesspiel gewinnen wollen. Weit davon entfernt zahle auch ich halbjährlich für leicht überhöhte Geschwindigkeitsübertretungen in die Staatskasse ein. Meist sind es nur ein paar klitzekleine Kilometerchen zuviel, die in der unteren Preiskategorie im Bußgeldkatalog landen und unscharfe schwarz-weiß Fotos produzieren. Wer viel Auto fährt kennt das und ist nie frei von Schuld, das Gesetz für einen kurzen Wimpernschlag zu übertreten.

Aber es gibt auch jene im Automobilen Lebenskreis, die völlig unnötig und fern von der Realität herum schleichen und auf Tempo in jeglicher Form verzichten. Oder auf grüne Ampeln zu fahren und kurz davor noch einmal abbremsen, weil die ja auf gelb umschalten könnte. Oder mal scharf auf Fußgängerniveau abbremsen, dass die Frisur durcheinander kommt, nur weil man abbiegt und sich vor möglichen Fliehkräften im Abbiegevorgang schützen will.  Da werden Ausfahrten und Hauseingänge blockiert, weil man zu bequem ist, 12 Meter weiter zu laufen. Joh, und mit seinem kleinsten Auto in der gesamten StädteRegion Aachen blockiert man gern mal zwei Parkplätze, was die Parkplatznot allgemein verschärft. Warum eigentlich? Aus Nachlässigkeit? Unfähigkeit?

Auch klasse: Zwar ist die Parklücke groß genug, trotzdem parkt man so, dass der rechts neben einem stehende seine Fahrertür nicht mehr öffnen kann. Oder so: Vor der Post parkt man gleich vorwärts schräg in die Riesenparklücke. Zwar wäre vorne und hinten Platz für hömmele Postsäcke. Einmal kurz rückwärts eingeparkt und alles wäre schön. Aber nein, die Karre wird da einfach so hingerotzt und der Arsch derselben ragt prominent und gefährlich in die ohnehin enge und lebhafte Straße. Ist ja nur für kurz…

Und noch so´n Klassiker: Autobahnauffahrten. Nicht zügig, nein, mit 47 Km/h will man sich Eintritt auf die Bahnen des schnellen Transfers verschaffen und gaaaaaanz vorsichtig, peu á peu, Kilometerchen für Kilometerchen in Fahrt kommen. Platz nach vorne wäre zwar reichlich vorhanden, weil ja alles was dort in Bewegung ist und um die 100 Km/h oder noch viel schneller unterwegs ist. Dafür ist diese besondere Asphaltstrecke ja schließlich vorgesehen. Aber nein, da gibt es Herrschaften die möglicherweise eine Allergie auf Beschleunigung haben und mit ihrer gedämpften Fahrspurwechselstrategie dafür sorgen, dass der von hinten anrauschende Verkehr unnötiger Weise abbremsen und auffahren muss. Wenn ich mit so einem/ einer Verkehrunsteilnehmer*in gleichzeitig auf die Autobahn auffahren muss, krieg ich Puls. Aber so richtig.

Rrrrrrruhig bleiben. Die tägliche Prüfung annehmen und rrrrrruhig bleiben.  …OM…

Gerade hat es wieder mal geschneit. Nicht unüblich in diesen Jahreszeiten, schließlich ist – allen Unkenrufen zum Trotz – Winter. Nun sind wir hier nicht in den Alpen oder in Nordamerika. Aber schon die Wahrnehmung kleinster Flocken oder gar leichte Schneedeckchen sorgen bei nicht wenigen Verkehrsteilnehmer*innen für ausgeprägte Panikattacken hinterm Volant und nachfolgend spektakuläre Verkehrssperenzchen. So wie man als Fußgänger*in auf glattem Parkett unsicher und nach Halt suchend herum eiert, so führen einige ihr Fahrzeug auf öffentlichem Grund. Dabei kann so ein Auto mit vier Rädern auf Grund im Stand gar nicht umkippen. Oder hinfallen.

Man muss auch wissen, dass so eine Wetterlage Tage vorher angekündigt wird. Man könnte also vorab gut überlegen, ob die eigene Fahrtüchtigkeit ausreicht, um sich den widrigen Umständen auf der Straße überhaupt auszuliefern. Manche scheinen sich da aber zu überschätzen. Oder zu meinen, da fährt ja bestimmt sonst keiner – bei dem Wetter.

Die größeren Hauptstraßen sind dabei oftmals schon am frühen Morgen grob geräumt und kräftig durchgesalzen. Mit angepasster Geschwindigkeit ist durchaus zügig und kontrolliert zu fahren. Nur in Seitenstraßen könnte es u.U. etwas heikler werden und eine noch konzentriertere Fahrweise vonnöten sein. Aber auch hier gilt, wenn ich mich entscheide Auto zu fahren, sollte auch ein gewisses Maß an Vorschub da sein. Sonst fahre ich mit dem Bus.

Aber nein, da hocken sie dann in ihrem Gefährt, die Mutigen, und tuckeln mit Schritttempo durch die Welt, wo eine normale Reisegeschwindigkeit locker wie Pulverschnee gefahren werden kann. Ich ertappe mich dann beim genötigten hinterhertuckeln regelmäßig dabei, dass ich mehr auf der Bremse stehe, als auf dem Gaspedal. Schließlich fahre ich Automatik. Da wirkt dann in solchen Momenten schon das Standgas übergriffig.

Und dann gibt es da noch die Expert*innen, die ihren Blechhaufen vor Fahrantritt nur unzureichend fahrtüchtig machen. Da ist dann soviel Schnee auf dem Dach, dass es dem Verfolger mal eben mit Karacho vor das eigene Fenster weht. Oder jene, die zwar keinen Schnee auf dem Dach, dafür völlig vereiste Scheiben haben, mit einem Guckloch, kleiner als bei einem Plumpsklo Häuschen. Auch herrlich: Morgens ist es dunkel. Man benötigt Licht. Wenn schon nicht für die eigene Sicht der Dinge im Raum, dann mindestens, um anderen Verkehrsteilnehmer*innen zu signalisieren „Hallo, ich habe auch Verkehr!“. Aber auch hier scheint es der Mühe zuviel, die Scheinwerfer vom weißen kristallinen Niederschlag zu befreien, um es Licht werden zu lassen. Zugegeben, Lichtinstallationen unter Schnee haben zumindest watt pittoreskes.

Ich behaupte nicht, der beste Autofahrer zu sein und werde mitunter ertappt, watt zu zügig unterwegs zu sein. Also nur ein ganz kleines bisschen. Aber diese täglichen Herausforderungen mit den Verkehrshindernissen, diesen Schläfer*innen und Blockierer*innen, sie lassen mich regelmäßig ins Lenkrad beißen.

Immerhin folge ich damit auch dem Rat meiner Angetrauten, es als tägliche Prüfung anzunehmen und mich in Gelassenheit zu üben. Das gelingt mir noch am besten mit dem Beißring vor mir.

…OM…

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Gerd Neuefeind sagt:

    😂😂😂
    Da sachste Watt…
    LG, do Ühjm va Rüjtsche😉

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