Box, Box, Box

Vor Jahren kam ich während einer Tagung mit einem Kollegen ins Plaudern über Weltreisen nach Portugal. Im Zuge des Erfahrungsaustausches erwähnte der liebe Mann auch die Möglichkeit, den üppigen Zahlstellen in Frankreich, Spanien und Portugal durch ein kleines elektronisches Gerät zu begegnen. Da hätte man dann freie Fahrt, weil just dieses Gerät die Nutzung der Teilstrecken registriert und später automatisch abrechnet.

Nun, das klang im ersten Moment verlockend, doch schien mir der damalige Anschaffungs- und Mietpreis watt zu hoch. Und so drückte ich weiterhin meine Kreditkarten in die vorgesehenen Öffnung der internationalen Zahlemann und Söhne Stationen.

Interessanterweise kam das Thema dann jetzt kurz vor unserer erneuten Reise gen Süden wieder auf. Weiß garnicht mehr wie. Jedenfalls landete ich auf einer Internetseite für sogenannte „Mautboxen“. Dort erklärte sich das, was oben genannter Kollege vor Jahren schon blumig beschrieb. Die Vorteile lägen auf der Hand: erstmal kann man am großen Stau vorbei fahren und Geld oder Karten müssen nicht eingeworfen werden. Joh, und schließlich bekommt man keine Zerrung, wenn man letztere versucht in den Wegelagereiautomaten zu jonglieren.

Skeptisch ob der Funktionskraft dieses elektronischen Zeugs schien mir der Preis diesmal aber so überschaubar, dass ich das mal ausprobieren wollte. Ich bestellte also online über den ADAC eine Mautbox, bei der die Bankdaten hinterlegt wurden und die bei postalen Erhalt wenige Tage später bereits registriert und einsatzfähig war. Flugs war das kleine elektronische Gerät auch schon hinter dem Frontspiegel montiert – und joh, das war´s.

Frage aber: tut nett datt denn auch? Wie erwähnt, bin ich ja ausgeprägt skeptisch über so einen neumodischen Schnickschnack und glaube erst daran, wenn ich das sehe, dass das funktioniert.

So kam es also zum ersten Aufeinandertreffen von Box und Wegelagereistelle in Frankreich, kurz hinter Reims. Langsam näherte ich den Skycamper in die dafür vorgesehen Fahrspur für freie Fahrt. Schräg dahinter stand ein Wächter in knallgelb, der das allgemeine Treiben eher gelangweilt verfolgte. Ich fühlte mich trotzdem irgendwie beobachtet und entwickelte einen Anflug con Nervosität.

Je näher ich der den Weg versperrende Schranke kam, um so mehr wuchs in mir die Gewissheit, datt tut nett nitt. Bis hin, dass ich dann tatsächlich neben dem Bilettautomaten anhalten musste.
Ich wies Pauli sein Frau in leicht fluchenden Ton an, mir jetzt dann doch gefälligst die verfluchte Kreditkarte zu reichen. Das tat sie dann auch brav mit dem leisen Hinweis, dass man hier jetzt gerade aber nix zahlen braucht, sondern nur das Ticket zieht muss.

Und ich sah dann auch das Billet im Wind flattern. Aber dafür reichte meine Armlänge mal wieder nicht aus. Ich musste noch ein Stück näher und dichter ran fahren. Und mich abschnallen. Hinter mir die ersten Fahrzeuge die sich aufstauten in der Reihe, wo kein Stau sein sollte. Auch das gelbe Männchen schräg vor wandte sich ab.

Während ich also artistisch meine Griffel zum Zettelchen streckte, verschwand es just in dem Moment ins Innere, wo doch gerade der wutgetränkte Zugriff erfolgen sollte. Die Schranke öffnete sich, ein grünes Licht blinkte auf und die Mautbox piepste einen fröhlichen Ton.

Pauli sein Frau ihr Mann schaute in ein ebenso strahlendes Gesicht von Pauli sein Frau. Er war vollzogen, der Deal. Offensichtlich. Es waren am Ende gefühlte 36 Zentimeter, die zum Impuls für freie Fahrt fehlten.

Ohne weiteren zeitverlust gab ich Gummi. Nicht, dass sich die Schranke direkt wieder senken sollte… Und ich freute mich schon auf die nächste Wegelagerei. Und siehe da: das ging direkt schon fluffiger. Kein Gedöns, kein Verzug, kein Problem, nur ein Pieps hinter dem Spiegel.

Frankreich war geschafft. Und Spanien? Nun, die erste Zahlstation mit einer grimmig dreinblickenden Baskin hinter der Scheibe erreichten wir bei der ersten Ausfahrt in Irun. Hier das gleiche Spiel. Meine Skepsis wurde befeuert, weil da nun gerade erstmal nix piepste. Aber just, als die 0,80 € in Münzgeld herauszukramen waren, öffnete sich auch hier die Schranke zum Glück. Ein lässiger Wink der Fachangestellten forderte eine zügige Durchfahrt. Spanien war also auch geschafft, denn auch am nächsten Tag piepste es ausgeprägt umher, da in Nordspanien Allerorten solche Statiönchen stehen.

Portugal: Nun, es gibt da die Streckenabschnitte, auf denen elektronische Mauterfassungsbrücken stehen, wie man sie aus Deutschland kennt. Da fährt man einfach durch, es piept, und juut ist.

Auf Autobahnabschnitten stehen aber auch schon mal Maustationen, die mit grünem Hinweisschild eine flüssige Durchfahrt bewerben – wenn man eine Box hat. Irritierend: da piepse nix bei der Durchfahrt. Erst bei der dritten Station bemerkte Pauli sein Frau, dass nach der Durchfahrt tatsächlich der Preis an einem elektronischen Hinweisschild kurz angezeigt wurde. Mithin fand die Registrierung hier arsch unauffällig und doch gierig statt.

Fazit: Wenn man erfährt und erlebt, dass das Ding funktioniert, ist das eine wirkliche Erleichterung. zur eiligen Durchfahrt von Bardenberg nach Burgau. Und wahrscheinlich ist das für einige die das hier lesen müssen alles schon ein aller Hut. Für mich war es neu und ich finde es toll. Die Kreditkarte wird haptisch geschont, körperliche Folgeschäden aufgrund von zirzensichen Einlagen vor aller Welt Augen gehören der Vergangenheit an und Gereiztheit und Übellaunigkeit vor jeder Barriere sind verflogen.

Wobei, abgerechnet wird zum Schluss. Jetzt warte ich mal auf die Abbuchung und hoffe auf eine ebenso geschmeidige und fehlerfreie selbige…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s