Zweimal habe ich mich weiland 2025 mit dem Rad auf die Fresse gelegt. Böse Zungen behaupten, es war der Most an der Mosel, der mich der Herrschaft über die Steuerung beraubte. Böse Zungen.
Tatsächlich lag es wohl eher an einer explosiven Mischung von 26 Jahre alter Bereifung, 5 Atü press aufgeblasen und dem nassen Kopfsteinpflaster. Und dem Most.
Und dabei begleitet mich das tolle Fahrrad nun schon fast ein halbes Leben lang. Man schrieb das Jahr 1999, als ich von der Arbeit in Aachen Laurensberg durch das Paulinenwäldchen gen´ Würselen radelte. Und wo sich mir unverblümt und unerwartet eine ausgeprägte Baumwurzel in den Weg stellte und mein damaliges Rennrad (Peugeot, weiß) im vorderem Teil abrupt stoppte. Nicht abbremste, nein, stoppte. Für den hinteren Teil nebst Gepäckträger und Fahrer kam das überraschend. Es folgte ein unsanfter Abstieg in die Rabatten des Waldes. Die Verletzungen am Rad waren vernachlässigbar. Die Verletzungen des Fahrers wurden eine Aufgabe der hiesigen Notaufnahme.
Das weiße Elend musste weg. Und es folgte das „Kettler Alu Rad“, welches ich beim damaligen „Zweirad Center Eck“ in Würselen neu erstand. Ich wohnte gleich um´s Eck bei Ecks und so war der Weg dorthin nicht weit und folgerichtig.
Wobei das Kettler Alu Rad streng genommen der zweite Streich war. Zuvor hatte ich eine Art Mountainbike gewählt, dem ich extra noch ein paar Schutzbleche wegen des möglichen Regens aufmontieren ließ. Für alle Fälle.
Das Bike war toll. Und rot. Allerdings führte die erste längere Ausfahrt dazu, dass mir die Zehen bis zum Knie abgestorben waren und ich bei der Rückkehr tatkräftige Hilfe brauchte, wieder unfallfrei abzusteigen.
Das kulante Zweirad Center bot mir eine anderes Fahrrad an, welches in seiner Architektur Rücksicht auf die Anatomie meines damaligen Alters nahm: das Kettler Alu Rad „Fantasy“ mit 21 Gängen!
Seither habe ich unzählige kleine Touren damit gemacht, sogar mal bis zur Arbeit nach Aachen und in Aachen (!) habe ich mich getraut zu fahren. Und an der Mosel. Natürlich. Elektrolos. Ich berichtete.
Aber nach dem letzten Ausfluch, war mir nicht mehr nach radeln. Und ein neues Werkzeug wollte ich mir auch nicht zulegen. Denn nur um mich einmal im Jahr an der Mosel auf´s Maul zu fallen, brauche ich kein Geld auszugeben. Dann lieber einen Most mehr.
Bis nun ein gehörig Teil an Kollegenschaft um mich herum herum schwärmte von diesen E-Bike-Mopeds. Die wäre sooooooooo toll! Und man wäre lange nicht gefahren, aber jetzt? Jetzt würde man am liebstem Büro drauf sitzen bleiben. Und der Arbeitgeber goutiere das auch noch finanziell, will er doch, dass man auch mal das Auto stehen lässt. „Rad im Dienst“ sei zudem eine Leasingfirma, die die Kosten auf monatlich kleine Beträge portioniert, die dann vom Bruttogehalt abgezogen werden. Merkt man gar nicht.
„Nur mal gucken“ dünkte ich mir und forschte mit gebremsten Schaum vom Most nach, was der Markt so hergibt und welches Bike denn überhaupt in Frage käme für die nun noch älterer körperliche Architektur.
Die Kombination von Technik, Qualität und Preis führte auch tatsächlich zu einem Favoriten. Den ich erstmal nur im Sinn hatte. Es fehlte aber immer noch die innere Überzeugung, ob ich den Schritt in die E-Pedale wagen sollte, oder nicht. Nutze ich den Esel im Alltag regelmäßig, oder steht der Gerät am Ende doch nur wieder abgeschlossen in der Garage rum, wie der letzte schwarze Bock?
Die Kollegenschaft ließ nicht locker und auch innerfamiliär gab es aufmunternde Motaivationsansprachen, die im Sinne von „steter Tropfen führt zum Rad“ ihre Wirkung entfalten sollten.
Bei Investitionen dieser finanziellen Kategorie bevorzuge ich immer einen Händler vor Ort, der wo ich bei Bedarf persönlich vorsprechen und unmittelbare Hilfe und Unterstützung einfordern kann. Eine geeignete Adresse zu finden, ist da gar nicht so einfach, sind doch Likes und Kommentare im Netz immer watt zweifelhaft. Aber auch hier gab es am Ende sachdienliche Hinweise aus der Bevölkerung, die mich zum Aachener Cruiser Center führten.
Und so sach ich zu Pauli sein Frau: „Komm, wir gehen nur mal gucken.“ Immer noch im Ton unschlüssig, aber immerhin schon grob vorinformiert, dass man bei einem E-Bike doch auch noch treten muss. Anders als wie bei einem echten Moped, wie ich es noch vor ein paar Jahren mein eigen nannte.
Also hin zum Zentrum des cruisens und mit einem Fachangestellten geflachssimpelt. Am Ende saß ich auf eine ausgewachsenen E-Bike und drehte im Würselener Industriegebiet meine ersten Runden. Zurück vor dem Zweiradgeschäft angekommen, bekam ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Der Rest ging schnell. Bike ausgesucht, optimiert bestückt, „Rad im Dienst“ kontaktiert, im Amt Formalien eingereicht und nach weniger als 10 Tagen konnte ich mein neues, indisches E-Bike abholen. Es wurde ein Cube Kathmandu Hybrid Comfort Pro 800 mit Riemen statt Kette und Nabenschaltung.

„Idiotensicher“ meinte der Fachverkäufer zu mir. Ansonsten war die Beratung top!
Jedenfalls erlebe ich gerade ein völlig neues Fahrgefühl auf zwei Rädern und eine Renaissance des Radfahrens. Ich radel jetzt vor mich hin und stoße dabei in Gegenden vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.
Überlege schon, damit auch ins Büro zu fahren. *hach* – toll!
P.S.: den alten Bock verschacher ich gerade hier (klicken).
Hallo Ralf.
Ich muss schmunzeln. Mir geht es gerade ähnlich. Mein Fahrrad ‚Giant‘ ist über 30 Jahre alt. Immer gut gefahren, aber jetzt soll ich für die Reparatur 500 € löhnen. Das kommt nicht mehr infrage. Also werde ich mich demnächst davon trennen und mir wohl kurz über lang ein E-Bike zulegen.
entspricht ja jetzt auch meinem Alter – hihiiii.
Viele Grüße,
Ute
Mach das, liebe Ute! Rad fahren macht wieder richtig Spaß! Können ja im Amt mal reden… 😉 Liebe Grüße, Ralf