Kampf der Transparenz

„Och herm“ dachte ich, als ich kürzlich irgendwo mal wieder einmal das Gejammere einer Dame mittleren Alters zur Kenntnis nahm, die darüber klagte, dass man – oder besser sie – mit zunehmendem Alter „unsichtbar für die Umgebung“ würde. Also, jedenfalls war das ihre Gefühlswelt, die sie offenherzig und um Aufmerksamkeit heischend der Restwelt zur Verfügung stellte. Und sie schien mir auch nicht die einzige zu sein, schließlich hatte ich dieses besondere Wehklagen aus der Peergroup der Frauenwelt schon öfter mal vernommen.

Eben noch der strahlende Stern auf dem Boulevard und dann kommt wie aus dem Nichts die feminine Konkurrenz jüngeren Alters und überstrahlt alles und jede. Mit der Konsequenz, dass „reifere“ Damen im Gesellschaftsbild vermeintlich mehr und mehr verblassen, bis hin zur völligen optischen Auflösung.

„Och herm“ dachte ich also. Und, nee, ich kann mir für mich – trotz fortschreitendem Alter – solch einen Auflösungsprozess überhaupt nicht vorstellen. Und wenn es nur im Ansatz eine solche Gefühlsduselei gäbe, ließe mich das total kalt. Ich wüsste dann schon, wie ich mich optisch und akustisch in Szene setzen müsste, um omnipräsent zu wirken.

Beispielsweise habe ich kürzlich den Fensterlosen Abort im Untergeschoss des Gebäudes meines Arbeitgebers betreten. Ich öffnete die Tür, schritt ein, schloss die Tür hinter mir – und stand im Dunkeln. Besser in tiefschwarzer Umgebung. Kein noch so kleines Lichtstrählich war anwesend. Der Bewegungsmelder ignorierte mich offensichtlich. Das war noch nie passiert. Jetzt stand ich da im Dunkeln rum und wartete, bis mir ein Licht aufging. Es erschien aber kein Licht. War das Leuchtrohr defekt? Oder der Melder? Sollte er mich etwa nicht erkennen? Vielleicht hat ihn jemand schelmisch überklebt?

Nunja, habe ich in dieser Situation öffentlichkeitswirksam gejammert? Oder geweint? Nein! Ich wurde kurzerhand und hochgradig selbstbewusst aktiv. Ich schwang meine Arme, winkte und wedelte, hüpfte und sprang, sprach über Gott und die Welt und stimmte einen dreckigen Shanty an. Nach gut einer halben Stunde ging das Licht an und ich konnte meine Notdurft verrichten.

Tipp an euch Mädels also: nicht jammern weil man angeblich zunehmend unsichtbar wird. Hüpfen, tanzen, und dreckige Lieder singen! Dann wird das schon!

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Tja. Du bist eben so cool, dass noch nichtmal der Infrarot-Bewegungsmelder auf Dich anspricht.

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